2010 25 Jul

Zeitverschiebung

Abgelegt unter: Allgemeines | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Heute vor einer Woche war ich das letzte Mal Rikschafahren - schon um 6 Uhr in der Früh. Ich hätte nicht fahren sollen. Aber wie lange hatte ich mich schon darauf gefreut? Nichts ist schöner als an einem Sonntagmorgen kurz nach der Dämmerung Menschen mit der Rikscha durch den Englischen Garten zu einem Ball zu bringen. Manche verstrahlt vom CSD, andere mit Bettfaltenabdruck auf der Backe. Aber alle in Feierstimmung.
Leider war das Wetter nicht optimal. Und leider, so kommt es mir vor, werden die Leute immer träger. Zweimal haben Fahrgäste, die ich - schon relativ bald - vom Chinesischen Turm weggefahren habe, kritisiert, dass “der Kocherlball ja auch nichts anderes ist als ein großer Biergarten!”
Nunja. Eigentlich geht man da ja zum Tanzen hin - alte bürgerliche Tänze -, und wer sich nicht traut, der darf auch nicht schimpfen. (Das Hofbräuhaus bietet extra Tanzstunden an!) Wieviele der angeblich 12 000 Besucher dann tatsächlich auch tanzen, ist eine andere Frage.
Der zweite nette Nebeneffekt ist die dem Kocherlball immanente Zeitverschiebung: Zum Frühstück a Maß und der Tag werd a Spaß!
Ich habe natürlich auch nicht getanzt. Und Bier gabs auch nicht. Stattdessen brach die Grippe, die ich schon bezwungen hoffte, vollends aus … im Hochsommer … auch so eine Art Zeitverschiebung.

2010 19 Jul

Alternativ

Abgelegt unter: Allgemeines | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Wie schon öfteres angemerkt, ist man frisch rasiert nicht unbedingt die erste Wahl bei möglichen Rikschakunden. Diese suchen, so dachte ich einige Zeit lang, einen weniger gepflegten oder weniger adretten Rikschafahrer aus, um nicht an die Fragilität ihres eigenen beruflichen oder gesellschaftlichen Status erinnert zu werden. Mit anderen Worten: Je gepflegter man erscheint, desto mehr erinnert man die etwaige Fahrgäste daran, dass auch sie bald Rikscha fahren könnten. 
Das ist ja noch mehr oder weniger lustig - bei der nächsten Finanzkrise werde ich mal im Anzug fahren.
Weniger behaglich ist mir jene Alternative, die ich die alternative Alternative nennen möchte. Egal, ob die Damen nun Shoppen oder die Herren Fußballschauen waren, ob’s die Maximilianstraße oder das Tollwood war - man hat sich dem Kommerz hingegeben, das System unterstützt, ja man hat sich’s einfach mal richtig gutgehen lassen, obwohl theoretisch … ja, aber das weiß keiner mehr. Auf jeden Fall ist jetzt etwas ganz anderes angesagt, ja zum Beispiel Rikschafahren. Da bekommt man fürs Geld noch echten Schweiß zu sehen und Muskelkraft zu spüren: Man erwirbt so etwas Reales wie in der Rikscha zurückgelegte Distanz, alternative Mobilität.
Das Gute daran: Wir sind das Gute Gewissen! Das Schlechte daran: Wir gleichen das Schlechte Gewissen aus!
Ganz offensichtlich ist das Gute Gewissen nicht glatt rasiert, es trägt auch keinen Businessanzug, sondern es sieht aus wie der Jevermann: Dreitagebart, entspannt, aber alles im Griff! 
Meine Cousine hat übrigens einmal behauptet, so wie den ‘alten’ Jevermann stelle sie sich den Lieben Gott vor …

2010 14 Jul

Münchneraner

Abgelegt unter: Allgemeines | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Letztens bin ich gefragt worden, ob ich denn auch ein echter Münchneraner bin? Ja, klar, irgendwie sind wir doch alle echte Münchneraner!

2010 13 Jul

Lourdes

Abgelegt unter: Allgemeines | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Ich habe Lourdes gefahren. Sie war schwarz und sprach Londoner Akzent. Sie war wunderschön. Ich war richtig ein bisschen aufgeregt.

2010 13 Jul

Kraftwagen

Abgelegt unter: Allgemeines | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Am Samstag habe ich zwei Japanerinnen gefahren - Mutter und Tochter, die Tochter war wahrscheinlich älter als ich. Sie waren sehr nett, wohnten in der Maxvorstadt und die Tochter sprach sehr gut Deutsch. Sie erzählte mir, dass im Japanischen “scha” Wagen heißt und “rik” Kraft.

2010 6 Jul

Kunst?

Abgelegt unter: Allgemeines | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Morgens stehe ich jetzt gerne am Marienplatz. Wenn die Luft noch kühl ist, die Sonne aber schon ihre Kraft entfaltet, kommen die Menschen auf die skurilsten Gedanken. “Halt Freddy, ich muss doch noch Pipi!”, hört man da einen 50-Jährigen einem anderen laut hinterherrufen!
Viel spannender aber war die chinesische Reisegruppe. Erst sammelten sie sich zu zwölft direkt vor meiner Rikscha, aber nicht weil sie irgendetwas von mir wollten, sondern weil den Chinesen das, was wir natürliche Distanz nennen würden, irgendwie fehlt. Ich nehme an, sie haben es anders gelernt: Wo wir mindestens 50 Zentimeter fordern würden, reichen ihnen vielleicht 10.
Also ich wunderte mich zuerst einfach mal. Schaute mir die Herrschaften genauer an, sah Trainingsanzüge und Billigschuhe, dachte an Ostblock, ach irgendwie sah man, dass sich die ganze Gruppe auf dem Marienplatz fühlte, wie unsereiner vielleicht beim Essen eines Schüsselchens Insektenklein.
Doch dann kam der große Auftritt. Ich konnte es zuerst nicht fassen, dachte am Flashmobs und heimliche Kunstaktion. Diese Chinesen legten eine astreine Fotoperformance hin. Jeder westliche Choreograf hätte sich hier eine Scheibe abschneiden können. Das ganze dauerte etwa fünf Minuten. Scheinbar war für die Chinesen jede der vier Seiten des Marienplatzes gleich interessant. Und da Balkone und Turmspitzen, selbst die Patrona Bavariae, eher oben sind, knieten sich die jeweils Fotografierenden hin, fotografiert wurden aber immer nur ein oder zwei Personen. Die Gruppe schien dabei alle stochastischen Möglichkeiten durchzuspielen, vor dem Neuen Rathaus, dem Alten Rathaus, dem Alten Peter, Mariensäule plus Frauenkirche alleine oder zu zweit und jeder fotografiert jeden. Bei dem Wechsel der Positionen legten sie eine ausgesprochene Fröhlichkeit an den Tag, dem ganze Auftritt lag also durch aus eine kathartische Tendenz zugrunde. Irgendwann schrie wohl einer auf Chinesisch: “Jetzt gehen wir Biertrinken!” Und die Gruppe trat lachend Richtung Hofbräuhaus ab.

2010 1 Jul

Geplärre

Abgelegt unter: Allgemeines | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Gestern im Hofgarten. Zwei ältere Damen schauen einer jungen Frau und ihrem weinenden Kind hinterher. Sagt die eine zur anderen: “Das Geplärre hab ich immer gern gehört.”

2010 28 Jun

Unfall

Abgelegt unter: Allgemeines | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Gestern - noch lange vor dem glorreichen 4:1 gegen England - fahre ich leer vom Chinesischen Turm Richtung Stadt, es ist voll, ich weiche aus, die Lücke ist eng, aber groß genug für meine Rikscha, ich konzentriere mich auf das, was vor mir liegt: Die Brücke zwischen Turm und Monopterus, die gleichzeitig ein Kreuzung ist.
Plötzlich rauscht es hinter mir, ein Fahrrad macht auf dem Sandweg Vollbremsung. Ich schaue zur Seite, sehe im Augenwinkel ein Mädchen, eine junge Frau, die stürtzt, die von ihrem Radl regelrecht runterklappt. Passanten stellen die junge Frau wieder auf die Beine. Sie blutet am Knie, Ellenbogen, Hand, Schulter. Ich spüle mit meinem Trinkwasser die Wunden aus, reiche ihr aus meinem Erste-Hilfe-Set ein Desinfektionsspray, ein Pflaster. Sie tut mir leid.
Sicher, ich bin ausgewichen, aber das ist ja kein Spurwechsel gewesen wie auf der Autobahn. Wenn sie von hinten kommend, Leute rechts neben mir sieht, dann muss sie damit rechnen, dass ich nach links ausweiche, und dass dort - links von mir - auch Leute waren und die Lücke eng war, hat sie dann wohl auch anerkennen müssen, sonst hätte sie nicht so stark gebremst, sondern wäre noch durchgewischt. Sie hat keine Klingel am Rad.
Sie blutet noch immer. Ich reiche ihr ein Papiertaschentuch. Sie sagt, ich könne ruhig weiterfahren. Obwohl ich mir sicher bin, dass ich nichts falsch gemacht habe, habe ich dennoch ein schlechtes Gewissen. Sie tupft ihr Knie und telefoniert nach einem Freund. Vor meiner Rikscha steht ein junges Pärchen, dass zum Marienplatz will.
Ich gebe der jungen Frau eine Visitenkarte, sage ihr, sie solle ruhig anrufen, sie habe noch was gut - denke mir, blöd, wie man heute ist: Könnte das vor Gericht als Bestechungsversuch ausgelegt werden? Andererseits: Mache ich nicht mit der Visitenkarte alle Vorwürfe hinsichtlich einer Fahrerflucht zunichte? Dann fahre ich das Pärchen zum Marienplatz.

2010 25 Jun

Fehler

Abgelegt unter: Allgemeines | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar

Ja, endlich ist der Sommer da! Dennoch bewahrt er mich nicht hundertprozentig vor negativen Gedanken. Wenn ich mir nämlich so das Neue Rathaus am Marienplatz anschaue, muss ich sagen, dass das so zu bauen - im Nachhinein und unter ästhetischen Gesichtspunkten betrachtet - ein ganz großer Fehler war.

2010 21 Jun

Sch… Wetter

Abgelegt unter: Allgemeines | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

Irgendwann fährt man auch raus, wenn man es besser weiß.
Für Samstag war Regen angesagt, als ich um zehn Uhr vormittags aus dem Fenster schaue, ist noch alles trocken. Um Elf bin ich in der Tiefgarage, als ich rausstrampele, nieselt es leicht. Von Viertel nach Elf bis halb Eins stehe ich am Marienplatz - Nieseln. Ich verziehe mich in ein Café. Um Eins regnet es fünf Minuten lang nicht - ich stehe auf dem Marienplatz: Zwei Kollgen sind ebenfalls da. Es fängt wieder an: Starker Regen - ich stelle mich unter dem Alten Rathaus unter. Eine junge Frau spricht mich an: Zum REWE ins Tal, okay: zwei Euro. Ob ich warten könnte, sie möchte dann weiter zum Isartor: nochmal zwei. Jetzt schüttet es, in den Plastikschalensitzen meiner Rikscha sammelt sich das Wasser. Ich radle zurück in die Tiefgarage. Es ist Zwei: Drei Stunden, vier Euro.


0,287 Sekunden.
089.com | blendfrei.de | moonoverdisco