Jetzt bin ich bald vier Tage nicht auf der Rikscha gesessen - und irgendwie geht mir was ab. Die ebenso mühsam, wie zahlreich verdienten Euronen flutschen einem durch die Hände, weil man überall ein bisschen großzügiger ist. Man kauft den Kaffee beim Bäcker und geht abends nochmal Pizza essen.
Die Strengen, die Bornierten, die An-sich-Haltenden, die Limitierten, die Inklusiven, die Tabuisierten - all die also, die mit Absicht kein Trinkgeld gegeben haben - auf der Wiesn erlebt zu haben, war vielleicht das schrecklichste. Gehen auf die Wiesn, können sich aber nicht gehen lassen. Gehen zurück oder an sich vorbei, über sich hinweg, völlig unfeierlich, unfestlich schmeißen sie sich weg. Wenn sie sich dann mit der Rikscha ins Hotel oder zum Bahnhof bringen lassen, sind sie eh schon auf dem richtigen Weg.
Am Anfang war die Wiesn noch spannend, dann - zu Beginn der zweiten Woche - wurde es langweilig, dann - Freitag, Samstag - schlimm. Gott sei Dank geht es am dritten Wiesnsonntag wieder bergauf, da kehrt das Volksfestliche zurück. Dazu ein gigantisches Wetter.
Ganz zum Schluß hatte ich einen BWL-Checker und eine giggelnde Dame. Die Dame war sympathisch, er schien bankrös - hatte seine Aktien schon merklich nachgelassen? Immerhin ging sein Handy noch. Trinkgeld hat er keins gegeben. Und als ich ihm 10 Euro in Zwei-Euro-Stücken geben wollte, hat er gesagt: “So an Rammel nehm i ned.” Ich hatte dann doch noch einen Schein und Bock auf eine andere letzte Fahrt: Ein älteres Münchner Ehepaar, dessen Sohn sie auf ihre Kosten in meine Rikscha setzte, vom Kaiser-Ludwig-Platz zum Roy am Sendlinger Tor; sehr nett; der Dame habe ich einen von meinen beiden Aloisii-Schutzengeln geschenkt; der zweite beschützte mich noch auf den Weg in die Rikschagarage.
Archiv: Oktober 2008
Um es mal klarzustellen, Rikschafahren ist - gerade zur Wiesnzeit - nicht billig. Es ist teurer als U-Bahnfahren und auch teurer als Taxifahren. Vom Esperantoplatz zum Hauptbahnhof muss man für zwei Personen schon mit 20 Euro rechnen. Außerdem sind die Preise nicht wie beim Taxi an bestimmt Tarife gebunden. Die Nachfrage bestimmt also auch den Preis. Gerade beim Run kann man sich die Gäste aussuchen: Was den einen zu teuer erscheint, ist den anderen gerade recht.
Zudem sind die Preise verhandelbar. Das Preisniveau verändert sich im Laufe des Tages, ist aber unter der den Rikschafahrern erstaunlich stabil. Manchmal denkt man sich, schön, dass die Gäste das zahlen, manchmal ist man aber auch unzufrieden.
Unterm Strich bleibt einiges - aber auch ein wunder Arsch, totmüde Beine, völlige Erschöpfung.
Heute stehe ich am Esperantoplatz neben der Ampel, fragt mich ein Typ: “Tun deine Beine auch so weh wie meine Arme?” Ich: “Ja schon. Was machst denn du auf der Wiesn?” Er: “Biertrinken!”
Danke, danke, danke. Endlich mal ein guter Witz - auch wenn er auf meine Kosten geht. Der normale Wiesnbesucher findet es in seiner Bierseeligkeit lustig zu fragen: “Fährst du auch nach Erding/Dachau/Ebersberg/Fürstenfeldbruck/Ottobrunn/Obermenzing/Aschau ….?” Oder: “Was kostet es denn nach Herrsching/Passau/Neuaubing/Nürnberg/Dorfen/Tölz/Aibling/Freising/Herrsching/Gauting/Stuttgart/Hamburg …?” Und dann freuen sie sich wie die Kinder vorm Weihnachtsbaum, dass sie so weit weg wohnen.
Vielleicht ist es ja die Vorstellung, wie sich der Rikschafahrer quälen würde, während sie ja jetzt wunderbar in den öffentlichen Verkehrsmittel oder der Bahn ihren Rausch auskosten können, zwischen all den anderen, die es auch so lustig finden. Ja, ja, ich lach mich tot: Der Rikschawitz!
Bleibt nur zu sagen: Kommts guat heim?