Die Rikschasaison hat wieder angefangen. Und zu den vielen Dingen, an die man sich als Rikschafahrer gewöhnen muss, gehört auch die geballte Menge Menschlichkeit, die sich da vor einem tummelt. Schließlich steht der gute Rikschafahrer nicht irgendwo, sondern da, wo was los ist. Dort liest er dann auch nicht Zeitung, sondern versucht Kontakt aufzunehmen zu den potentiellen Kunden und Mitfahrern. Und dabei beobachtet man unausweichlich die vielen, vielen Einzelnen, von denen sich alle gemäß ihrer seeligmachenden Fasson inszenieren. (Gerade im Frühling sind manche Individualstylisten noch ungeschickt, Extreme (Wintermäntel und Bikinitops) sind verhältnismäßig oft zu beobachten.)
Ich stehe also mit meiner Rikscha im Hofgarten neben dem Weiße-Rose-Denkmal. Unter den Arkaden, die sich von dort bis zur Staatskanzlei hinziehen, knutscht ein Liebespaar. Um das Denkmal herum tigert ein Fototourist und sucht die ideale Perspektive. Irgendwann steht das Liebespaar auf, ein ausnehmend schönes Paar, beide groß, beide tipp-topp gekleidet, die Frau trägt ein buntes, sehr hübsches Minikleid, das ihre makellosen und unglaublich langen Beine perfekt zur Geltung bringt. Auf einmal drängt sich eine Frau im Jeansanzug in die Szenerie: “Soll i dir deine Augen wieder eindruck’n!”, ruft sie. Ich kenne sie nicht. Es ist - so stellt sich raus - die Frau des Fototouristen.
Dieser Beitrag wurde geschrieben am Freitag, 10. April 2009 und wurde abgelegt unter "Allgemeines". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.
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